Lageeinschätzung: Nahostkonflikt belastet Sommersaison
Die Mitglieder von HotellerieSuisse blicken auf einen erfolgreichen Winter zurück. Gleichzeitig zeigt sich mit Blick auf den Sommer einmal mehr, wie volatil die touristische Nachfrage ist.
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Die Mitgliederbetriebe von HotellerieSuisse zeigen sich mehrheitlich zufrieden mit der Wintersaison 2025/26. Insbesondere alpine Betriebe ziehen trotz teilweise schwieriger Schneeverhältnisse eine positive wirtschaftliche Bilanz. Doch der Ausblick auf den Sommer ist deutlich getrübt: Geopolitische Spannungen, insbesondere der aktuelle Konflikt im Nahen Osten, führen seit Wochen zu Stornierungen, rückläufigen Neubuchungen und einem zunehmend kurzfristigen Buchungsverhalten.
Jeweils zum Ende der Winter- und Sommersaison führt HotellerieSuisse eine Befragung bei seinen Mitgliedern zur aktuellen wirtschaftlichen Lage durch. Die aktuelle Befragung zeichnet ein solides Bild der vergangenen Wintersaison. Der kommende Sommer wird hingegen von den Unsicherheiten und Stornierungen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt überschattet. Die Ergebnisse unterstreichen die Realität der Beherbergungsbranche: Die Nachfrage ist äusserst volatil und die Branche ist wie kaum eine andere von externen Einflüssen geprägt.
Erfolgreiche Wintersaison trotz herausfordernder Bedingungen
Rund zwei Drittel der Betriebe zeigen sich zufrieden oder sehr zufrieden mit der Wintersaison 2025/26. Besonders positiv fällt die Bilanz im alpinen Raum aus. Dies ist umso bemerkenswerter, da viele Destinationen zu Saisonbeginn mit schwierigen Schneeverhältnissen konfrontiert waren. «Viele Destinationen und Betriebe haben in den vergangenen Jahren vorausschauend gehandelt und in alternative Angebote investiert», erklärt Martin von Moos, Präsident von HotellerieSuisse. «Die Ergebnisse zeigen, dass sich diese Investitionen in die Ganzjahresattraktivität auszahlen.» In städtischen sowie ländlichen Regionen fällt die Zufriedenheit etwas verhaltener aus, was die unterschiedlichen Nachfragestrukturen innerhalb der Schweiz widerspiegelt.
Kostenentwicklung bleibt strukturelle Herausforderung
Parallel zur positiven Nachfrageentwicklung bleibt die Kostensituation angespannt. Fast jeder zweite Betrieb berichtet von steigenden Ausgaben, insbesondere im Personalbereich. Dies ist nicht zuletzt Ausdruck des anhaltenden Fachkräftemangels sowie steigender Lohnkosten. In der Folge sieht sich ein Teil der Betriebe gezwungen, die Preise nach oben anzupassen.
Unsicherheit prägt den Ausblick auf die Sommersaison
Die Erwartungen für den Sommer fallen insgesamt verhalten aus. Über die Hälfte der Betriebe berichtet bereits heute von negativen Auswirkungen des Nahostkonflikts etwa in Form von Stornierungen und einer spürbaren Zurückhaltung bei Neubuchungen. Besonders betroffen sind städtische Betriebe. Die aktuelle Entwicklung zeigt exemplarisch, wie stark der Tourismus von globalen Ereignissen abhängt. Der Nahostkonflikt hat zu erheblichen Störungen im internationalen Flugverkehr geführt an den zentralen Drehkreuzen im Golfraum. Diese sind entscheidend für die Anbindung der Schweiz an wichtige Fernmärkte in Asien und Ozeanien.
Verändertes Buchungsverhalten verstärkt Unsicherheit
Gleichzeitig verändert sich das Verhalten der Reisenden: Unsicherheit, steigende Reisekosten und ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis führen dazu, dass Fernreisen häufiger verschoben oder abgesagt werden. Erste Rückmeldungen aus den Mitgliedsbetrieben bestätigen diese Entwicklung, vor allem bei Gästen aus Asien, aber auch aus den USA. Hinzu kommt eine zunehmende Kurzfristigkeit bei Buchungen. Gäste entscheiden später und reagieren sensibler auf externe Ereignisse. Für die Betriebe erschwert dies die Planung erheblich.
Breiter Gästemix als Erfolgsfaktor
«Die aktuelle Situation zeigt deutlich: Gute Zahlen allein bedeuten noch keine Stabilität», sagt Martin von Moos. «Unsere Branche bleibt anfällig für externe Schocks.» Umso wichtiger ist ein breit abgestützter Gästemix. Unterschiedliche Herkunftsmärkte und Gästesegmente helfen, Nachfrageschwankungen abzufedern und die Auslastung zu stabilisieren. Die Diversifizierung der Nachfrage ist eine zentrale Aufgabe der Tourismuspolitik und der Standortförderung. Förderinstrumente wie Innotour und die Neue Regionalpolitik (NRP) stärken die Angebotsentwicklung, während Schweiz Tourismus mit der weltweiten Bearbeitung von Märkten zur Risikostreuung beiträgt. Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit zeigt sich der Wert dieser breiten Aufstellung: Nachfragerückgänge in einzelnen Märkten können teilweise kompensiert werden, auch wenn kurzfristige Einbrüche kaum vollständig aufgefangen werden können.
Die Umfrage wurde von HotellerieSuisse vom 27. März bis 7. April durchgeführt. Insgesamt haben 268 Mitglieder des Verbands an der Befragung teilgenommen.