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Mitarbeiter-Sharing im Saisontourismus

24.06.2016

Betriebe mit unterschiedlichen Spitzen im Sommer und Winter sollen sich die Mitarbeitenden teilen. Im Projekt «Mitarbeiter-Sharing» zwischen Betrieben im Kanton Graubünden und Tessin wird dieser Ansatz auf den Bereich der Stellenbesetzung im Saisontourismus angewendet. Nach dem Motto «Im Sommer am See, im Winter im Schnee» werden den Mitarbeitenden dank Kooperation von Hotel- und Gastronomiebetrieben ganzjährige Perspektiven angeboten anstelle von kurzen Saisonstellen.

«Mitarbeiter-Sharing» heisst das Projekt, welches mit Unterstützung des Förderver-eins der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur im Herbst 2015 lanciert wurde. Die am Projekt beteiligten Unternehmen kommen aus den Kantonen Grau-bünden und Tessin sowie Luzern und Thurgau. Mit dabei sind mit hotelleriesuisse Graubünden und Ticino auch die Branchenverbände der hauptsächlich vertretenen Kantone, die Wirtschaftsförderung sowie die Arbeitsämter aus Graubünden und dem Tessin. Die Projektleitung liegt bei der HTW Chur.

Gemeinsam gegen Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel ist - auch im Zusammenhang mit der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und der Ausschöpfung des Inländerpotentials - ein vieldiskutiertes Thema. Im vorgestellten Projekt gewinnen beide Seiten: erstens die Mitarbeitenden, welche eine spannende berufliche Perspektive bekommen. Zweitens der Betrieb, welcher die Qualität der Dienstleistung steigern und die Fluktuationskosten senken kann. Und drittens die beiden involvierten Kantone, welche die Rahmenbedingungen für den Tourismus verbessern und dabei auch noch Arbeitslosengelder sparen können. Dieses Potential liegt jährlich bei elf Millionen Franken in Graubünden und zwanzig Millionen Franken im Tessin. Auch das Sparpotential bei den Fluktuationskosten für die Betriebe dürfte in der personalintensiven Branche erheblich sein. Aus diesem Grund kann das Modell auch in der Zusammenarbeit von Betrieben in anderen Kantonen interessant sein.

Mitarbeitende im Fokus

Das Projekt kann nur erfolgreich sein, wenn die Mitarbeitenden für die Idee des «Sharing» zwischen Graubünden und dem Tessin empfänglich sind. Das wichtigste Resultat der Befragung von rund 150 Mitarbeitenden durch die HTW Chur: 79 Prozent der Mitarbeitenden konnten sich vorstellen mitzumachen, viel mehr als vermutet.  Mitarbeitende im Saisontourismus sind oft jung und ungebunden. Bei der Weissen Arena Gruppe in Laax sind zum Beispiel zwei Drittel der Saisoniers im Bereich Gastronomie und Beherbergung unter 30 Jahre alt. Viele Saisonangestellte sind entsprechend flexibel und bereit, an verschiedenen Orten zu arbeiten und etwas Neues auszuprobieren.

Image und Perspektive

Wo liegen die Ansatzpunkte, um mit einem solchen Sharing-Modell attraktiv zu sein? Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass es vielen Mitarbeitenden nebst dem Lohn wichtig ist, längerfristige Perspektiven zu haben, gefördert zu werden und die Möglichkeit für einen Karriereaufstieg zu erhalten. Ambitionierte Saisonfachkräfte wollen zudem in erfolgreichen Betrieben mit Vorbildern – zum Beispiel bei bekannten Köchen und Köchinnen oder Häusern mit einem gewissen Renommée – arbeiten. Weitere bedeutende Faktoren sind eine attraktive Lage des Betriebs und/oder der Destination sowie die Verfügbarkeit von kostengünstigen Personalwohnungen.

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