Ihre Browserversion ist veraltet und wird nicht länger unterstützt. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser.

Mitarbeitende und Arbeitsverhältnis

Mitarbeitende sind erkrankt oder weigern sich aufgrund der Situation zur Arbeit zu kommen? Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Mitarbeitende und das Arbeitsverhältnis.

Zuletzt aktualisiert am: 27.03.2020

  • Die dringendsten Fragen zu Mitarbeitenden und Arbeitsverhältnis

    Dürfen mehr als 5 Personen gleichzeitig in der Betriebskantine essen?
    Arbeitgeber sind verpflichtet, die Empfehlungen des Bundes betreffend Hygiene und sozialer Distanz einzuhalten. Menschenansammlungen von mehr als 5 Personen in Pausenräumen und Kantinen zu verhindern. Letzteres gilt nur dann, wenn die Pausenräume und Kantinen nicht genügend gross sind. In grossen Betriebskantinen dürfen selbstverständlich auch mehr als 5 Personen gleichzeitig essen, wenn die Distanzvorgaben eingehalten werden können.
     

    Ein Mitarbeitender ist erkrankt (Corona-Virus oder andere Krankheit)
    Hier kommen die Regelungen der Lohnfortzahlungsbestimmungen gemäss L-GAV zur Anwendung. Weitere Fragen sind mit dem Haus- oder Kantonsarzt abzuklären.

    Ein Mitarbeiter reist entgegen den Empfehlungen des Arbeitgebers in ein behördlich deklariertes Risikogebiet. Um seine anderen Mitarbeitenden zu schützen, verlangt der Arbeitgeber, dass der betroffene Mitarbeiter nach der Rückkehr 14 Tage zu Hause bleibt. Ist für diese 14 Tage Lohn geschuldet?   
    Der Arbeitgeber kann dem Mitarbeitenden nicht verbieten, in ein Risikoland zu reisen. Tritt der Mitarbeiter die Reise trotz der drohenden Gefahr an, kann der Arbeitgeber bei dessen Rückkehr jedoch verlangen, dass der Mitarbeitende während 14 Tagen zu Hause bleibt bzw. nicht zur Arbeit erscheint. Aus unserer Sicht kann in einem solchen Fall kein Lohn geschuldet sein, da der Mitarbeitende diese Situation selbst verschuldet hat. Soweit möglich ist der Mitarbeitende bereits im Vorfeld der Reise in ein Risikoland schriftlich auf diese Konsequenzen hinzuweisen.

    Ein Mitarbeiter hat sich zu einem früheren Zeitpunkt in einem Risikogebiet aufgehalten.    
    Auch in diesem Fall kann der Arbeitgeber verlangen, dass der Mitarbeiter zu Hause bleibt, bis die Ansteckungszeit von 14 Tagen abgelaufen ist. Unseres Erachtens ist in einem solchen Fall die Lohnzahlungspflicht gegeben.

    Ein Mitarbeiter eines Hotels wurde von den Behörden unter Quarantäne gesetzt, weil er mit einer infizierten Person in nahem Kontakt war.     Sofern der betreffende Mitarbeiter selbst erkrankt ist, gelten die Lohnfortzahlungspflichten gemäss Art. 23 L-GAV. Ist der Mitarbeiter nicht erkrankt, sondern nur vorsorglich in Quarantäne gesetzt, dann ist der Lohn nach 324a OR geschuldet (100% des Lohnes nach Berner Skala).
     

    Kann ich kurzfristig Ferien anordnen?
    Der Arbeitgeber kann zwar den Zeitpunkt von Ferien bestimmen. Er hat jedoch auf die Interessen der Mitarbeiter Rücksicht zu nehmen. Nach L-GAV gilt, dass Ferien grundsätzlich einen Monat im Voraus angekündigt werden müssen. In gegenseitigem Einverständnis können die Anordnungsfristen verkürzt bzw. andere Lösungen gesucht werden.


    Kann ich kurzfristig den Abbau von Zeitguthaben anordnen?   
    Gemäss L-GAV sind die Arbeitspläne bei Jahresbetrieben zwei Wochen und bei Saisonbetrieben eine Woche im Voraus bekannt zu geben. Unter Berücksichtigung dieser Fristen kann der Abbau von Zeitguthaben geplant werden. In gegenseitigem Einverständnis können die Anordnungsfristen verkürzt bzw. andere Lösungen gesucht werden.

    Kann ich meinen Mitarbeitenden einseitig unbezahlten Urlaub anordnen?   
    Unbezahlter Urlaub kann immer nur im gegenseitigen Einvernehmen vereinbart werden.


    Eine Veranstaltung im Hotelbetrieb muss abgesagt werden. Die Einsätze der Aushilfen für diesen unmittelbar bevorstehenden Anlass sind bereits vereinbart. Ist der Lohn geschuldet?
    Hier ist der Lohn grundsätzlich geschuldet, da der Arbeitgeber in Annahmeverzug gerät. Es empfiehlt sich jeweils, mit den betroffenen Mitarbeitenden eine einvernehmliche Lösung zu suchen.
     

    Aushilfen, die bisher mehrheitlich regelmässig zum Einsatz kamen, werden nicht mehr aufgeboten, da die Gäste ausbleiben bzw. Veranstaltungen im Betrieb abgesagt werden.   
    Bei solchen regelmässig eingesetzten Aushilfen handelt es sich aus rechtlicher Sicht bereits um Teilzeitangestellte. Diese müssen weiterhin im üblichen Umfang eingesetzt werden. Andernfalls gerät der Arbeitgeber in Annahmeverzug und der durchschnittlich bezahlte Lohn ist weiter geschuldet.

    Darf der Arbeitgeber verlangen, dass alle Mitarbeitenden einen Coronavirus-Test machen?   
    Dies ist nicht zulässig. Besteht jedoch begründeter Verdacht auf eine Ansteckung, hat der betroffene Mitarbeiter seinen Arbeitgeber zu informieren, sich telefonischen Rat bei seinem Hausarzt oder Kantonsarzt zu holen sowie zur Sicherheit vorerst zu Hause zu bleiben.


    Ein Mitarbeitender möchte nicht zur Arbeit kommen, da er Angst vor einer Ansteckung am Arbeitsplatz hat

    Der Arbeitgeber hat gestützt auf seine Fürsorgepflicht soweit möglich Massnahmen zu ergreifen, um seine Mitarbeitenden vor einer Ansteckung zu schützen (Hygienemassnahmen u.ä.). Tut er dies, hat der Mitarbeitende seiner vertraglichen Arbeitspflicht nachzukommen. Er hat am Arbeitsplatz zu erscheinen, andernfalls hat er keinen Anspruch auf Lohn. Weiter können gegebenenfalls arbeitsrechtliche Massnahmen ergriffen werden.

    Ein Mitarbeitender möchte nicht zur Arbeit kommen, da am Arbeitsplatz eine hohe Ansteckungsgefahr besteht

    Bei begründeter Verweigerung (andere Kranke erscheinen zur Arbeit, mangelnde Hygiene, keine Schutzmassnahmen) darf die Arbeit verweigert werden. Der Lohn ist gegebenenfalls geschuldet.

    Hotel wurde unter Quarantäne gestellt - Mitarbeitende können nicht zur Arbeit kommen
    Bei einer Betriebsschliessung durch die Behörden besteht eine Lohnfortzahlungspflicht, wenn der Grund dafür in die Risikosphäre des Arbeitgebers fällt. Dies wird in den meisten Fällen angenommen, da der Betrieb grundsätzlich das Betriebs- und Wirtschaftsrisiko trägt. Sind jedoch mehrere Betriebe betroffen oder ein ganzes Gebiet, könnte unseres Erachtens ein Fall objektiver Unmöglichkeit vorliegen. In einem solchen Fall wäre kein Lohn geschuldet.

    Mitarbeitender kann nicht zur Arbeit kommen, weil er selbst in einem Ort wohnt, der von den Behörden unter Quarantäne gestellt bzw. abgeriegelt wurde oder die allgemeinen Verkehrswege unterbrochen wurden.
    Hier ist davon auszugehen, dass die Verhinderung der Arbeitsleistung weder in die Risikosphäre des Arbeitnehmers noch des Arbeitgebers fällt. Beide sind in einem solchen Fall von ihrer Leistungspflicht befreit (keine Arbeit, kein Lohn).

    Mitarbeiter werden nicht wie geplant benötigt, weil keine oder zu wenig Gäste anreisen
    Hierbei handelt es sich um den Risikobereich des Arbeitgebers. Das heisst es besteht grundsätzlich eine Lohnzahlungspflicht.
    Der Arbeitgeber kann aber beispielsweise mit den Mitarbeitenden den Abbau von Überstunden oder den Bezug von Ferien vereinbaren.
    Bei Kündigungen aus betrieblichen Gründen sind die vertraglichen Regelungen zu beachten.

Umgang mit Saisonverträgen

Hier finden Sie Empfehlungen für Saisonbetriebe und den Umgang mit Mitarbeitenden mit saisonal befristeter Anstellung.

  • Die dringendsten Fragen zu Saisonverträgen

    Kann ich ein vorzeitiges Saisonende für Mitarbeitende ankünden?

    Das Saisonende anzukündigen und vorzuverlegen geht nur, falls diese Möglichkeit in den Arbeitsverträgen so vorgesehen ist. Falls in den Arbeitsverträgen ein fixer Endtermin vereinbart wurde, kann der Betrieb zwar vorher geschlossen werden, die Mitarbeitenden müssten aber trotzdem bis zum vereinbarten Enddatum bezahlt werden. In diesem Fall können auch Guthaben wie Überstunden abgebaut werden.

    Die «Bekanntgabefrist» gemäss L-GAV von 14 Tagen gilt nur bei Schliessung des ganzen Betriebes. Einzelne Arbeitsverträge können nicht innerhalb der 14 Tage beendet werden.
     

    Kann ich den Saisonbeginn verschieben?

    Gemäss L-GAV ist für Saisonarbeitsverträge der Anfang der Saison (Beginn des Arbeitsverhältnisses) im Einzelarbeitsvertrag wenn möglich mit Datum festzulegen oder dem Mitarbeiter mindestens einen Monat im Voraus schriftlich bekannt zu geben. Sofern die Verträge also noch nicht ausgestellt wurden, empfiehlt es sich, einen ungefähren Vertragsbeginn (z.B. ca. Juni 2020) festzulegen und den genauen Saisonstart den Mitarbeitenden dann einen Monat im Voraus schriftlich bekannt zu geben. Sofern bereits Verträge für die kommende Saison mit genauem Datum festgelegt wurden, dann ist das Eintrittsdatum im gegenseitigen Einvernehmen anpassen oder im gegenseitigen Einvernehmen aufzulösen.

    Können Verträge noch vor Saisonbeginn aufgelöst werden?

    Verträge können jederzeit im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst werden. Ist der Mitarbeiter nicht einverstanden, sind die Verträge in der Probezeit zu kündigen, sofern eine Probezeit mit Kündigungsmöglichkeit vereinbart wurde. Gilt keine Probezeit, ist jedoch eine Kündigungsmöglichkeit im Arbeitsvertrag vorgesehen, ist der Vertrag unter Berücksichtigung der Kündigungsfrist zu kündigen.


     

Solidarität unter verschiedenen Branchen

  • Einsätze in der Landwirtschaft

    Die Schweizer Wirtschaft befindet sich in einer Situation, in der Solidarität gefragt ist. Mit einem Mitarbeiteraustausch können Sie und Ihre Mitarbeitenden in diesen Branchen unterstützen, wo momentan Mitarbeitende dringend benötigt werden.

    Ab sofort stehen mit agrix.ch oder agrarjobs.ch kostenlose Plattformen für die Vermittlung von offenen Stellen in der Landwirtschaft aufgrund des Coronavirus zur Verfügung.

    Schweizer Unternehmer und Verbände aus der Landwirtschaft arbeiten gemeinsam mit der Personalverleihplattform Coople, um die Obst- und Gemüseernte zu sichern. Auch HotellerieSuisse ist bei der Initiative mit dabei. Erfahren Sie jetzt mehr!

    Wenn Sie mit all Ihren Mitarbeitenden einen Landwirtschaftsbetrieb unterstützen möchten und so einerseits das Team beisammenhalten und andererseits etwas für die Teambildung machen möchten, so können Sie sich beim Bauernverband in Ihrem Kanton melden, der zusammen mit Ihnen mögliche Lösungen prüfen wird. Bitte melden Sie sich direkt bei Ihrem kantonalen Bauernverband, eine Kontaktliste finden Sie hier.

  • Einsätze im Gesundheitswesen

    Haben Sie in Ihrem Team Mitarbeitende, die bereit sind, in ihrem Fachbereich im Gesundheitswesen mitzuarbeiten? HotellerieSuisse Bern+ Mittelland und die Berner Spitäler starten gemeinsam eine Kooperation. Dabei geht es darum, mit den Mitarbeitenden der Berner Hotellerie und Gastronomie einen Mitarbeiterbestand aufzubauen, der von den Spitälern bei Bedarf abgerufen werden kann. Es handelt sich hierbei in erster Linie um Mitarbeitende in den Bereichen Reinigung, Abwasch, Küche und Service.

    Das «Backup-System» für die Spitäler ist so aufgebaut, dass der Arbeitgeber die geleistete Zeit rechnet, als hätte der/die Mitarbeiter/in im eigenen Betrieb gearbeitet. Der/die Mitarbeiter/in erhält den entsprechenden Monatslohn. Für diejenigen Tage, an denen die Mitarbeitenden im Spital arbeiten, besteht kein Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung und der Lohn muss zu 100% bezahlt werden.

    Die Arbeitsstunden verrechnet der Betrieb auf Basis eines Ausleihvertrags dem Spital. Der Stundentarif deckt die Kosten des Betriebs inkl. Sozialleistungen. Die Rechnung ist mehrwertsteuerpflichtig. Diese wird auf den Stundensatz aufgerechnet. Die Stundensätze liegen leicht über dem Mindestlohn das L-GAV.
    Mit anderen Worten: Der Einsatz kostet das Hotel nichts, entlastet aber die Arbeitslosenkasse in den Kosten für die Kurzarbeit und hilft der Gesellschaft enorm, weil wir die Spitäler unterstützen. Unterstützung, die es nun dringend braucht!

    Hier finden Sie hilfreiche Dokumente vom Regionalverband HotellerieSuisse Bern+ Mittelland, die Sie für Ihre Kooperation benötigen können.

  • Dokumente