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Online-Buchungsplattformen: WEKO-Entscheid für Schweizer Hotellerie unbefriedigend

Bern, 06.11.2015

Die Preisparitäts- und Verfügbarkeitsgarantien, welche die Online-Buchungsplattformen von den Schweizer Hotels fordern, dürfen in den AGB von Booking.com, HRS und Expedia zum Teil verankert bleiben. Die Wettbewerbs-kommission (WEKO) hat diesen Entscheid im Rahmen ihrer kartellrechtlichen Untersuchung gegen die drei markt-beherrschenden Online Travel Agencies (OTA) in der Schweiz, die Ende 2012 auf Initiative von hotelleriesuisse eröffnet wurde, gefällt. Für hotelleriesuisse ist dieser Entscheid unbefriedigend, weil er die Marktmacht der Buchungsplattformen sogar noch stärkt.

Inhalt der Untersuchung der WEKO war der Verdacht, dass die gegenüber Hotels geforderte Preisparität und weitere Vertragsbedingungen unzulässige Wettbewerbsbeschränkungen dar-stellen. Eine unabhängige Preisgestaltung für die Hotel-Dienstleistungen, insbesondere auch kurzfristige Preisvergünstigungen auf den hoteleigenen Vertriebskanälen, wird durch die Preisparitätsgarantie ausgeschlossen. Zudem verhindert die Verfügbarkeitsgarantie die unternehme-rische Freiheit in der Preisgestaltung. Der WEKO-Entscheid bedeutet, dass die Hoteliers zwar auf den ersten Blick mehr Freiheit bekommen, weil sie die Preisparitätsgarantien nicht mehr absolut einhalten müssen. Sie haben jedoch weiterhin keine Möglichkeit, auf ihrer eigenen Webseite ihren Gästen direkt Buchungsvorteile anzubieten und sind somit in ihrer unternehmerischen Freiheit eingeschränkt. Die Marktmacht der Buchungsplattformen ist damit nicht gebro-chen, sondern sogar noch gestärkt.

In der Schweiz dominiert Booking.com den Markt mit einem Anteil von 70 Prozent aller Online Buchungen. Interne Hotelvertriebskanäle wie die eigene Homepage unterstehen weiterhin den Klauseln. Dadurch haben die Hoteliers weiterhin nicht die Möglichkeit, auf ihrer eigenen Webseite günstigere Preise anzubieten als auf Booking.com. Ein solcher Entscheid bringt den Schweizer Hoteliers folglich keinen Vorteil. Die Mehrheit der Hoteliers gewährt Booking.com den tiefsten Preis, da über diese Buchungsplattform am meisten Logiernächte generiert werden.

Dadurch wird Booking.com auf dem Markt noch dominanter, und die Webseite des Hoteliers verliert aufgrund der nicht wettbewerbsfähigen Preise an Bedeutung.
hotelleriesuisse engagiert sich weiterhin dafür, die unternehmerische Freiheit für die Hoteliers auf den Online-Buchungsplattformen sicherzustellen. Dazu gehört, sich wie in Frankreich oder Italien über das Parlament für das Verbot der sogenannten Preisparitäts- und Verfügbarkeitsklauseln auf dem Gesetzesweg stark zu machen.

  • Glossar

    Online Travel Agencies
    Der Begriff Online Travel Agencies (OTA) entspricht dem deutschen Begriff „Online-Buchungsplattformen“. In der Schweiz ist booking.com mit 70,5 Prozent Marktführer. Für Ihre Tätigkeit wie Werbung, Buchung usw. verlangen die OTA eine Kommission. Diese beträgt in der Schweiz zwischen 12 und 15 Prozent Wenn man sehr gut sichtbar auf den obersten Plätzen sein will, liegt sie gar bei bis zu 30 Prozent.
    Der Anteil der Buchungsplattformen an den Gesamt-Buchungen lag laut einer Studie von Robert Schegg von der Hochschule für Tourismus in Siders im Jahr 2014* geschätzt auf 25 Prozent, dürfte aber heute schon höher liegen. Sie generierten 2014 wahrscheinlich über 1 Milliarde Franken Umsatz während die Schweizer Hotels nach Schätzungen zwischen 90 und 130 Millionen Franken an Kommissionszahlungen leisten mussten (im Wallis wahrscheinlich zwischen 11 und 19 Millionen). Bei kleinen Hotels ist der Anteil der Buchungen, die über OTA getätigt werden, grösser als bei Betrieben mit mehr als 100 Zimmern.

    *Vertriebstrends in der Schweizer und Walliser Hotellerie – Implikationen in Zeiten des starken Frankens, Februar 2015

    Preisparität
    Mit den Preisparitätsklauseln verbieten die Online-Buchungsplattformen den angeschlossenen Hotels, ihre Zimmer auf einem anderem Vertriebskanal, sei es bei anderen Buchungsplattformen oder auf der eigenen Webseite des Hotels, zu günstigeren Preisen anzubieten.

    Verfügbarkeitsparität
    Eine solche Klausel besagt, dass freie Zimmer, sofern diese auf vertraglich definierten weiteren Kanälen zur Verfügung gestellt werden, immer auch auf der jeweiligen Plattform anzubieten sind.

    Bestpreisgarantie (Best Price Garanty)
    Wenn Kunden nach der Buchung auf einer anderen Webseite das gleiche Hotelzimmer bei gleichen Kon-ditionen zu einem günstigeren Preis finden, erstatten die Anbieter die Differenz. Es gibt auch Hotels, welche für den Kunden eine Bestpreisgarantie anbieten. Plattformen verlangen von ihren Hotelpartnern online wie offline jeweils die besten Preise, Verfügbarkeiten und Konditionen.
    Die Bestpreisgarantien bildeten nicht direkt Gegenstand des WEKO-Verfahrens. Sie sind jedoch relevant, da die Gewährung einer Bestpreisgarantie durch die Preisparitätsklauseln unterstützt werden kann.
     

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