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Anpassung bestehender Tourismusinstrumente als richtiger Weg

30.11.2012

Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative hat entscheidende Auswirkungen auf die Finanzierungssituation in der Tourismuswirtschaft. Doch die Schaffung einer Tourismusbank nach österreichischem Vorbild ist keine Lösung. Vielmehr müssen bestehende Tourismusinstrumente optimiert werden.

Frankenstärke, unsichere Wirtschaftslage in den wichtigsten Herkunftsländern, Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative, hohes Kostenniveau: Der Schweizer Tourismus ist derzeit von schwierigen Rahmenbedingungen geprägt. Handlungsbedarf besteht – darüber sind sich alle Akteure mittlerweile einig. Der Bundesrat hat in der Verordnung zur Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative die Anliegen der Tourismusbranche in einigen Punkten aufgenommen. Trotzdem werden die Folgen für die Schweizer Hotellerie und die Tourismusregionen weitreichend sein. Gefragt sind sinnvolle flankierende Massnahmen, um den Tourismusstandort Schweiz zu stärken. hotelleriesuisse ist überzeugt, dass der Aufbau einer Tourismusbank nach österreichischem Vorbild das falsche Rezept wäre. Es sollen nicht Strukturen oder Institutionen im Zentrum der Diskussion stehen, sondern Inhalte. Die vom Staat ergriffenen Massnahmen müssen anstelle der einzelbetrieblichen Unterstützung vielmehr die Förderung des Unternehmertums zum Ziel haben und dürfen einen nachhaltigen Strukturwandel nicht behindern.

Mit der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit (SGH), Schweiz Tourismus, Innotour, der neuen Regionalpolitik und kantonalen Förderprogrammen verfügt die Schweiz bereits über bewährte tourismus- und regionalpolitische Förderinstrumente. Diese gilt es weiterzuführen und an die geänderte Ausgangslage anzupassen. So müsste die SGH beispielsweise durch eine Erweiterung ihres Leistungsauftrags verstärkt auf die Anliegen der Tourismusdestinationen ausgerichtet und mit der neuen Regionalpolitik koordiniert werden.

Gegen den Aufbau einer Tourismusbank nach österreichischem Vorbild sprechen noch weitere Gründe: Fördersysteme zu kopieren ist problematisch, denn gerade die staatliche Förderung von Hotelbetrieben ist sowohl in der Schweiz als auch in Österreich historisch gewachsen. Zwar konnten in Österreich mit gezielter Strukturpolitik positive Effekte auf die Hotelstrukturen erzielt werden, allerdings werden dabei grobe Wettbewerbsverzerrungen in Kauf genommen. Während die SGH nachrangige Darlehen zur Verfügung stellt, um die Kapitalstruktur des Hotels zu stärken und damit deren Fremdfinanzierungsmöglichkeiten zu erhöhen, konkurriert die Österreichische Hotel- und Tourismusbank mit der Gewährung von zinsgünstigen Direktdarlehen die privaten Kreditinstitute. Dies führt häufig zu Mitnahmeeffekten, indem auch Hotels Darlehen erhalten, welche sich zu marktüblichen Konditionen refinanzieren könnten.

Nicht zu unterschätzen ist der im Vergleich zur Schweiz hohe Verschuldungsgrad der österreichischen Hotellerie, was bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder der staatlichen Zahlungsbereitschaft existenzgefährdend sein kann. Nicht zuletzt hat die Schweizer Hotellerie kein Finanzierungs- sondern ein Rentabilitätsproblem. Dafür verantwortlich ist unter anderem das im Vergleich zum Ausland hohe Kostenniveau. Hier müssen die Rahmenbedingungen dringend angepasst werden, damit die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Hotellerie nicht weiter gefährdet wird. Dazu gehören die Verlängerung des Mehrwertsteuersatzes für Beherbergungsleistungen oder die gegenseitige Marktöffnung gegenüber der EU im Agrar- und Lebensmittelbereich.

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